Bevor Schulabsentismus sichtbar wird, hat ein Kind oft schon lange gesprochen. Nur nicht immer mit Worten.
Schulabsentismus beginnt selten erst in der Oberstufe.
In meiner Masterarbeit beschäftige ich mich damit, wie Schulabsentismus in der Oberstufe aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven verstanden wird und welche Bedeutung diese Sichtweisen für Prävention, Intervention, Rückkehrgestaltung und psychosoziale Beratung haben.
Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto klarer wird für mich:
Wenn Schulabsentismus in der Oberstufe sichtbar wird, hat die Geschichte oft schon viel früher begonnen.
Nicht immer laut.
Nicht immer offensichtlich.
Nicht immer als „Problem“.
Manchmal beginnt es schon im Kindergarten.
Ein Kind, das sich morgens kaum lösen kann.
Ein Kind, das immer wieder Bauchweh hat.
Ein Kind, das sich zurückzieht.
Ein Kind, das auffällig still wird.
Ein Kind, das überfordert wirkt, obwohl es „eigentlich funktionieren sollte“.
Oft sind es kleine Signale.
Signale, die im Alltag schnell untergehen.
Signale, die vielleicht erklärt, beruhigt oder abgewartet werden.
Signale, die niemand böse übersieht, die aber trotzdem wichtig sind.
Denn Schulabsentismus entsteht selten von heute auf morgen.
Er wächst manchmal über Jahre.
Aus Unsicherheit.
Aus Angst.
Aus Überforderung.
Aus negativen Erfahrungen.
Aus dem Gefühl, nicht gesehen oder nicht verstanden zu werden.
Und irgendwann wird aus einem leisen Unbehagen ein Fernbleiben.
Aus einzelnen Warnzeichen wird ein Muster.
Aus einem schwierigen Morgen wird eine kaum überwindbare Hürde.
Aus Schule wird ein Ort, der nicht mehr erreichbar scheint.
Genau deshalb ist Prävention so zentral.
Nicht erst dann, wenn Fehlzeiten eskalieren.
Nicht erst dann, wenn Rückkehr kaum mehr gelingt.
Nicht erst dann, wenn alle Beteiligten erschöpft sind.
Sondern viel früher.
Dort, wo Kinder zeigen:
Etwas ist zu viel.
Etwas macht Angst.
Etwas stimmt nicht.
Schulabsentismus in der Oberstufe zu verstehen bedeutet für mich deshalb auch, zurückzuschauen.
Auf frühe Hinweise.
Auf Übergänge.
Auf Belastungen.
Auf Beziehungserfahrungen.
Auf Systeme, die manchmal zu spät reagieren, obwohl viele Menschen ihr Bestes geben.
Vielleicht liegt eine der wichtigsten Fragen nicht erst bei der Rückkehr:
„Wie bringen wir dieses Kind wieder in die Schule?“
Sondern viel früher:
„Was zeigt uns dieses Kind schon lange, bevor es nicht mehr kommt?“
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